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Warum Magie weder Weiß noch Schwarz ist

Ob bei Buchtiteln, Podcasts oder TikTok-Videos: "Weiße Magie" wird gehyped, wo es nur geht. Hier ein Liebeszauber, dort eine Money-Manifestation - natürlich immer in ganz klarer Abgrenzung zur schwarzen, dunklen Magie, die es streng zu vermeiden gilt. Warum wir aufhören sollten, Magie in schwarz und weiß zu unterteilen*¹ und warum diese Unterscheidung sogar einen rassistischen Hintergrund hat, erfahrt ihr in diesem Blogbeitrag.


Inhalt


Warum hat die Unterteilung der Welt in "Schwarz" und "Weiß" einen rassistischen Hintergrund?

Die Einteilung unserer Welt in "Schwarz" und "Weiß" wurde spätestens im Rahmen des Kolonialismus tiefgreifend geprägt. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts diente diskriminierende Sprache als Mittel zur Legitimierung brutaler und ausbeuterischer Praktiken der westlichen Mächte.


Viele Begriffe, die für afrikanische und südamerikanische Gesellschaften, Kulturen und Religionen verwendet wurden, waren negativ konnotiert und wiesen auf Chaos, Unordnung, fehlende Regeln oder schlichtweg Boshaftigkeit hin. In dieser Zeit wurden die verschiedenen Ethnizitäten hierarchisch gegeneinander abgegrenzt, wobei "Weiß" als die höhere und überlegene Ethnie angesehen wurde. Diese kulturellen Überzeugungen haben sich bis heute in vielen Teilen der Welt erhalten und beeinflussen noch immer unser Denken, Handeln sowie unsere Sprache.


Ein wichtiger Standpunkt in der Debatte über rassistische Sprache lautet, dass es keine wirklich "schwarzen" oder "weißen" Personen gibt. Vielmehr würden Menschen, ihre Kultur und ihr Glauben durch diese Bezeichnungen in bestimmte soziale Kategorien eingeordnet und bewertet werden.

"An Schwarz und Weiß knüpfen sich eine Vielzahl metaphysischer und weltlicher Codierungen, die mit Dualismen von Licht und Finsternis, Reinheit und Unreinheit, Transzendenz und Weltlichkeit verbunden sind (...)." (2010: Husmann,J.)

Das Kinderspiel "Wer hat Angst vorm schwarzen Mann" ist nur eines von vielen Beispielen für diskriminierende Sprache, die unterschwellig von klein auf eine Abneigung gegen PoC vermittelt. Diese subtile Form des Rassismus ist besonders gefährlich, weil sie oft nicht als Problem erkannt wird und im Laufe des Lebens verfestigt werden kann.


Denn auch in der Alltagssprache von Erwachsenen finden sich Ausdrücke wie "schwarz fahren", "schwarz arbeiten“, "schwarz sehen“, "Schwarzmarkt" oder „schwarz malen“, die eindeutig negativ konnotiert sind. Weiß hingegen wird oft als rein und positiv angesehen, was sich zum Beispiel in der Redewendung "eine weiße Weste haben" zeigt.


Oft wird argumentiert, dass bestimmte Wörter keine diskriminierende Bedeutung mehr haben, doch Sprache ist ein gesellschaftlich geprägtes Konstrukt und kann nicht von einer einzelnen Person neu definiert werden. Um rassistische Sprache und Vorurteile zu überwinden, müssen wir eine kritische Auseinandersetzung mit unserer Sprache führen und uns für eine korrekte Verwendung von Sprache verantwortlich fühlen.


Im heutigen Sprachgebrauch bevorzugen P.o.C. es oft, sich selbst als "Schwarz" zu bezeichnen. Hierbei handelt es sich jedoch nicht um eine äußere Eigenschaft, sondern um ein soziales Konstrukt, das erst durch gemeinsame Erfahrungen mit Rassismus entstanden ist und den Begriff "Schwarz" wieder reclaimed.


Warum wir nicht mehr von "Schwarzer" und "Weißer" Magie sprechen sollten

Auch in der spirituellen Szene wird gern in "Schwarz" und "Weiß" unterteilt. Während "Weiße Magie" alles augenscheinlich Positive beschreibt, ist "Schwarze Magie" die verbotene Frucht am Baum des Garten Edens. Die Einteilung, was zur angeblich "Schwarzen" und was zur "Weißen" Magie gehört ist dabei oft extrem subjektiv und genau darin liegt das Problem.

Warum man nicht mehr von schwarzer und weißer Magie sprechen sollte. Warum die Begriffe schwarze und weiße Magie einen rassistischen Hintergrund haben.

Die subjektive Wahrnehmung wird zum kollektiven Verständnis darüber, was erlaubt und was verboten, was gut und was böse ist. Was hier so schön getrennt wird, ist im Kern nur eine rassistische Unterteilung in "vertraute westliche Praktiken, die von der Gesellschaft akzeptiert und verstanden werden" und "unbekannte Praktiken des globalen Südens, die aufgrund fehlender Auseinandersetzung zu verteufelt sind". Nach welchem Maß wird dabei bemessen? Ist jede Liebesmagie gut? Ist jeder Blutzauber schlecht? Oder fehlt uns nur das Wissen über eins von beidem?


Die Unterteilung in "Weiße" und "Schwarze" Magie stärkt Diskriminierung insofern, als dass sie vor allem in der Vergangenheit dafür verwendet wurde, um bestimmte Völker und Kulturen zu diskriminieren und zu unterdrücken. Die christliche Kirche hat bewiesen, dass die Unterteilung sogar erfolgreich in der eigenen Kultur verwendet werden kann, um bestimmte Personengruppen systematisch zu unterdrücken. Denn zur Zeit der Hexenverfolgung in der Frühen Neuzeit wurden die Begriffe "schwarze Magie" und "Hexerei" als Vorwand verwendet, um Menschen, insbesondere Frauen, zu beschuldigen, zu verfolgen und zu töten, die als anders und somit als bedrohlich angesehen wurden.


Auch heute noch werden zahlreiche magische Praktiken, die dem globalen Norden unbekannt sind oder es lange waren (wie z.B. Blutmagie, rituelle Opfergaben, Voodoo-Puppen) als böse und somit "schwarzmagisch" angesehen, ohne ihren vollen Umfang richtig zu begreifen. Dabei kann dein Liebeszauber genauso negative Auswirkungen auf dich und deine Umwelt haben, wie die sogenannte "Schwarze Magie" und das obwohl es für viele westliche Praktizierende ganz klar zur "Weißen Magie" gehört und deine Intention rein war.


Alternative Begriffe

Anstatt in "Schwarz" und "Weiß" sollte Magie viel eher nach Absicht und Wirkungsgrad eingeordnet werden. Jeder Eingriff in das Leben anderer Menschen, egal ob deine Intentionen gut waren oder nicht, kann negative Auswirkungen haben. Dessen solltest du dir immer bewusst sein.


Deshalb empfehle ich dir, dich nochmal genauer mit den einzelnen Arten der Magie auseinanderzusetzen, Wirkungen von Zaubern genau zu durchdenken und danach zu entscheiden, ob du deine Energie dafür einsetzen willst oder nicht.


Benenne die Magie nach ihrem Wesen, ohne sie in die Kategorien "Schwarz" und "Weiß" einzuteilen. Sogar innerhalb jeder einzelnen Art von Magie kann es Zauber geben, die du bevorzugst, während du andere ablehnst. Vielleicht verwendest du Menstruationsblut für einige deiner Rituale, hast aber beschlossen, andere blutmagische Rituale nicht durchzuführen. Das ist okay. Finde deine eigenen Grenzen.


Beispiele für Kategorisierung von Magie nach Absicht und Wirkung:

  • Magie zur Heilung

  • Magie zur Selbsterkenntnis

  • Sexualmagie

  • Blutmagie

  • Schutzzauber

  • Reinigungszauber

  • Fruchtbarkeitszauber

  • Schadenszauber

  • Geldzauber

  • Liebeszauber

  • Rachezauber

  • Opferrituale

  • Räucherrituale

Wie du siehst, lässt sich kaum eine dieser Unterkategorien vollständig in gut oder böse einteilen. Die Grenzen dessen, was erlaubt und was nicht, werden von jeder Hexe und jedem Magier selbst festgelegt. Wenn du dich also dafür entscheidest, Magie einzusetzen, ist es wichtig, verantwortungsbewusst und gut informiert zu sein und zu wissen, dass die Auswirkungen deiner magischen Praktiken nicht immer vorhersehbar sind. Bitte nimm Rücksicht auf andere und respektiere ihre Grenzen.


Quellen und weiterführende Literatur


Für weiterführende Literatur zu dem Thema, schaue bei meinen Empfehlungen vorbei.


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*¹Die Begriffe "weiße Magie" und "schwarze Magie" werden in diesem Blogartikel lediglich zur Erklärung des Sachverhaltes und zum besseren Verständnis verwendet und finden nicht mehr im Sprachgebrauch der Autorin statt.



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